Dennis Lisk (Denyo) Interview: April 2009
Anlässlich seines neuen Deals mit Four Music, befand sich Dennis Lisk alias Denyo in den Räumen des Berliner Labels. Wir haben die Gelegenheit genutzt und ihn ein wenig zu seinem neuen Album ausgefragt, welches im Sommer erscheinen soll und zu seinen Beweggründen, die ausgetretenen Pfade des Hip-Hop für eine Weile zu verlassen.
Hip-Hop-News: Dein neues Album „Suchen & Finden“ kommt noch diesen Sommer und schlägt ganz neue Töne an. Erzähl uns doch mal etwas über das Album und wie es zu dem musikalischen Wandel gekommen ist?
Dennis: Zu dem musikalischen Wandel ist es vor ungefähr drei Jahren gekommen. Ich bin ja jemand, der jeden Tag Musik macht. Am Wochenende lege ich zusammen mit DJ Mad oder alleine auf, zumindest war das die letzten drei Jahre so, und unter der Woche mache ich halt Musik. Nach dem letzten Album habe ich dann gemerkt, dass mich das nicht mehr so gekickt hat, einfach nur auf dem Beat zu rappen. Ich war einfach ein bisschen gelangweilt und wie das so ist, habe ich gemacht, gemacht, gemacht und als mir das dann alles nicht mehr so gefallen hat, habe ich einfach wieder mal zu meiner Gitarre gegriffen und angefangen keinen Beat zu machen, sondern einfach eine Melodiefolge zu spielen. Darüber bin ich dann dazu gekommen, zu singen. Ich habe ja schon früher hin und wieder die Hooks gesungen, mit Jan zusammen oder auch alleine, und habe dann für mich gemerkt: „Krass, ich kann da ja eine ganz andere Stimmung erzeugen.“ Das waren Sachen, die ich früher schon mal ausprobiert habe, für den Hip-Hop aber immer hinten angestellt habe. Ich konnte dann einfach mal zwei, drei Worte singen und dann fünf Sekunden Pause machen, was beim rappen so nicht drin ist. Ich habe dann über die Ruhe und auch die Gitarre, einen ganz neuen Zugang zur Musik gefunden.
Hip-Hop-News: Wie kann man sich die Arbeit an Deinen neuen Songs vorstellen. Was genau und vor allem wie ist es passiert?
Dennis: Ich habe erst Mal ganz viele Skizzen gemacht und dann irgendwann die Gitarre dazu genommen. Später habe ich dann mit bestimmten Produzenten zusammengearbeitet, dass ging dann von dem einem zum anderen, bis hin zu Moses Schneider, der auch Beatstakes Produzent ist. Dann habe ich mit Band angefangen, um auch einen gewissen Sound zu erarbeiten, inklusive Streicherquartett, einfach um die Musik komplett zu vollenden. Es geht dabei auch nicht darum, jetzt irgendwie kommerzieller zu klingeln, wenn es auch der ein oder andere Hip-Hop Typ so auffassen wird. Eigentlich ganz im Gegenteil: Denyo hat die letzten drei Jahre das Geld verdient und Dennis Lisk hat es ausgegeben. Das Album ist ein Mega-Projekt und sehr teuer. Das ist natürlich teils auch von meinem Label bezahlt, aber größtenteils auch von mir selber finanziert. Es ist einfach ein Traum, den ich mir damit erfüllt habe, und ich bin super-stolz auf das Album und auf jeden Fall der Meinung, dass es wert ist es zu hören.
Hip-Hop-News: Ist es, ausgehend von deinem letzten Album „The Denyos“, eine musikalische Weiterentwicklung vom Rapper zum Singer-Songwriter oder ist es einfach nur ein anderer Weg, eine andere Entwicklung?
Dennis: Also eine Weiterentwicklung würde ich das nicht nennen. Es gleicht mehr einem Neustart. Eine verdrängte Seite, die ich jetzt in gewisser Weise auslebe. Inzwischen sind es ja 18 Jahre, in denen ich Hip-Hop gemacht habe, ob die Leute es jetzt cool finden oder nicht. Es war einfach etwas in mir drin was raus wollte und das ist jetzt da. Ich habe auch noch vor als Denyo ein Release zu machen, wahrscheinlich auf einem kleineren Level, vielleicht wird es auch nur ein Mixtape. Wenn das dann rauskommt, dann kann man von einer Weiterentwicklung Denyo’s sprechen. Deswegen habe ich das ganze jetzt ja auch unter Dennis Lisk gestartet, damit niemand was falsches erwartet und mit falschen Erwartungen da dran geht. Ich meine, Leute die mich nicht kennen, für die bin ich ein absoluter Newcomer und für Leute die mich kennen, die wissen dann einfach dass es was vollkommen anderes ist.
Hip-Hop-News: Das heißt im Prinzip ist „Suchen & Finden“ Dein Debütalbum als Dennis Lisk?
Dennis: Ja, das ist mein Debütalbum.
Hip-Hop-News: „Lass los“ ist ja die erste Singleauskopplung, welche man auch schon auf Deiner MySpace Seite anhören kann. Kannst Du kurz erzählen, um was es darin geht und warum Du diesen Song gewählt hast?
Dennis: In dem Lied geht es einfach um das los lassen an sich, bezogen auf einer Beziehungsebene zwischen Mann und Frau. Man möchte in einer Beziehung ja eigentlich glücklich sein und sich wohl fühlen, sehr oft kommt man dann aber an einen Punkt, wo man viele Probleme einfach verdrängt und gar nicht mit bekommt, dass man sich eigentlich gar nicht mehr so wohl fühlt und dass es dann Zeit ist los zu lassen. Für mich bedeutet es aber einfach auch, dass los lassen einfach ein wichtiger Moment im Leben ist. Man muss ab und an Dinge los lassen, die einem wichtig und vertraut sind, aber nicht mehr weiter bringen. Ich persönlich münze das auf meine Lebenssituation als Rapper, wo ich auch los gelassen habe. Natürlich habe ich das mit den Beginner gemacht und natürlich bin ich Denyo, aber ich lasse das jetzt einfach mal los, nicht für immer, aber jetzt für den Moment.
Hip-Hop-News: Was kann man generell auf dem Album erwarten, abgesehen von „Lass los“?
Dennis: Also der rote Faden sind auf jeden Fall Mid-tempo Balladen, die musikalisch mal angereichert sind mit einem Streicherquartett. Die Stimmung ist melancholisch, allerdings mit einer positiven Grundaussage. Nicht kitschig und ganz nah an mir dran. Wobei ich darauf geachtet habe, dass ich nicht nur aus meinem Leben erzähle, sondern auch viele Sachen, die von anderen nachvollziehbar sind. Ich wollte einfach mal weg von diesem Rap-Ding. Ich liebe Rap aber diese Grund-Coolness, die man einfach haben muss, was ich teilweise auch ein bisschen Pseudo finde. Über bestimmte Dinge darf man einfach nicht rappen. Ich will aber einfach über bestimmte Dinge singen, ein positives Album machen, wo es um die Liebe und das Leben geht. Darüber hinaus gibt es dann noch andere Sachen die mich flashen, also so Reggea-Rock Geschichten und vielleicht auch mal was Indie-Rock-mäßiges, was schnelles.
Hip-Hop-News: Ist „Suchen & Finden“ somit auch dein bisher persönlichstes Album?
Dennis: Würde ich sagen, deswegen passt es auch, dass ich das als Dennis Lisk heraus bringe. Ich habe einfach wirklich nicht darauf geachtet, irgendwelchen Attitüden folgen zu müssen, die im Rap nun mal Standard sind. Es geht um mich, ich erzähle auch viel über mein persönliches Leben. Allerdings nicht weil ich es geil finde, mich da auszuziehen, sondern weil ich finde, es macht Sinn. Es macht mir Spaß und ich denke es wird den Leuten auch was geben.
Hip-Hop-News: Die 18 Jahre, die Du im Hip-Hop Business zugebracht hast, waren die für diese Art von Musik eher hinderlich oder ist das etwas, was Dir auch weitergeholfen hat?
Dennis: Meine Erfahrung die ich grundsätzlich als Künstler gemacht habe, ist natürlich extrem hilfreich gewesen. Einfach weil ich weiß, wie man arbeitet, wie man sich selber herausfordern kann und an Dinge ran geht. In dem Album ist ja auch noch ein Rap Einfluss drin, meine Art zu singen und zu betonen. Ich bin ja nicht der beste Sänger der Welt. Ich habe überhaupt keine Technik, ich kann kein Vibrato singen oder R. Kelly mäßig abfahren. Ich habe dadurch auch meinen ganz eigenen Style und meine ganz eigene Melodie über die letzten zwei Jahre entwickelt und da ist noch viel Rap mit drin. Ich habe jetzt 18 Jahre lang Hip-Hop gemacht und auch wenn ich als Dennis Lisk auftrete, fragen sich manche Leute, was macht denn Denyo da jetzt, dass ist natürlich ein wenig hinderlich.
Hip-Hop-News: Aber ist es nicht auch etwas vollkommen anderes einen Gitarrensong zu erarbeiten, als einen Rap Song?
Dennis: Auf jeden Fall, aber das war ja auch das Geile und nicht hinderlich. Es hat mir einfach einen neuen Zugang zur Musik gegeben. Das versteht man vielleicht nicht als Rap-Fan und manche Rapper verstehen das vielleicht auch nicht, dass man Musik aus einer anderen Intension heraus machen kann, als „Ich bin Geil und hab Bock mich hier zu zeigen“. Rap hat ja auch immer etwas Sportliches. So wie Skateboard fahren: „Guck mal Alter, ich kann den Trick“ oder „Ich kann den Flow“. Das ist cool, aber es gibt eben auch noch eine andere Möglichkeit, nämlich indem man ein Gefühl erzeugen möchte. So kitschig wie sich das anhört, aber ich will einfach ein Stück Seele auf einem Song haben.
Hip-Hop-News: War ein Teil Deiner Entwicklung auch darin begründet, wie sich der Hip-Hop in den letzten Jahren entwickelt hat? Dass Du Dich vielleicht nicht mehr 100% damit identifizieren kannst?
Dennis: Ja und Nein. Es ist schon ein Teil davon aber eben nicht nur. Es hat ja auch einen Grund warum viele einfach nicht mehr rappen. Wenn man so lange dabei ist, dann hat man einfach das Gefühl, dass man über jeden Beat gerappt hat, jede Metapher ausgepackt. Das stimmt natürlich nicht, aber es ist einfach nicht mehr dieses Neue und Frische. Es ist auch alles sehr gleich und vorausschaubar geworden. Dazu kommt noch, dass ich als Mensch, der der ich bin, ich kann mich in diesem Hip-Hop Rahmen momentan nicht sehr gut ausdrücken. Ich habe andere Qualitäten und die möchte ich in den Vordergrund stellen. Dann, wenn ich das getan habe, dann mache ich gerne wieder ein Rap-Album. Ob das dann ein Denyo Album wird oder mit den Beginnern oder wie auch immer, das wird sich zeigen.
Hip-Hop-News: Hast Du Erwartungen an das Album, sowohl kommerziell als auch wie es von den Fans angenommen wird oder war es Dir wichtiger es einfach gemacht zu haben und diesen Schritt gegangen zu sein?
Dennis: Es gemacht zu haben, besonders auch in dieser Qualität, dass war das Wichtigste. Ich habe das Album rauf und runter gehört und bin sehr zufrieden. Ich weiß auch nicht, was ich besser hätte machen können und dieses Gefühl hatte ich bisher noch nicht. Und anders als zuvor weiß ich eben auch, dass ich mit diesem Album auch in zehn Jahren noch zufrieden sein kann. Aber ich habe natürlich auch Erwartungen und will, dass es viele Leute hören. Ich habe Erwartungen an eine geile Live-Show. Im Gegenzug erwarte ich aber auch nicht, dass jemand der Rap hört, jetzt das hört. Freue mich aber über jeden alten Fan, der es sich auch anhört.
Hip-Hop-News: Es hat sicher Potential neue Fans hinzuzugewinnen. Bestimmt können aber auch viele jüngere Fans, die eher auf Rap stehen, nicht allzu viel damit anfangen.
Dennis: Ja, auf jeden Fall. Ich will aber auch nicht die nächsten zehn Jahre mich einfach darauf ausruhen, dass ich was mit den Beginnern gemacht habe. Das könnte ich machen, Geld ist nicht das Thema, ich könnte auch was vollkommen anderes machen. Mit geht es einfach darum, dass ich viel zu viel zu sagen habe. Dafür bin ich auch einfach zu sehr Musiker. Ich will diese neue Richtung, ich will neue Fans hinzugewinnen. Dafür habe ich den Grundstein gelegt und darüber freue ich mich jetzt eigentlich nur noch.
Hip-Hop-News: Du hast vorhin schon kurz die Erwartungen an eine geile Live-Show erwähnt. Ist da schon was Konkretes in Planung?
Dennis: Wir haben einen kleinen Gig gemacht, mit ganz kleinem Besteck. Nur mit Gitarre, Keyboard und zwei Backgroundsängern und das war schon ziemlich cool. Ansonsten sind wir gerade dabei. Ich habe das Album ja auch mit einer Band eingespielt und die wird dann auch live am Start sein. Es sind auch viele Faktoren dabei, die ich nicht einschätzen kann. Dementsprechend bin ich nervös und aufgeregt, freue mich aber darauf.
Hip-Hop-News: Gibt es schon feste Termine?
Dennis: Ja, es gibt mehrere Festivals auf denen wir spielen. Die ganzen Dates kann man in meinem Blog nachlesen.
Hip-Hop-News: Dann freue ich mich sehr auf das neue Album, Dich vielleicht auch live zu sehen und wünsche Dir viel Glück und Erfolg.
Dennis: Danke Dir auch.









Schreiben Sie Ihre Meinung!