Interview mit Flipsyde – März 2009
Wir haben Flipsyde im Backstage Bereich der Frankfurter Jahrhunderthalle getroffen, wo sie sich auf ihr erstes Konzert vorbereiten. Über den ganzen März hinweg ist die Band aus Oakland als Vorgruppe von Sarah Connor unterwegs um gleichzeitig auch ihr neues Album „State of Survival“ zu promoten. Von oben donnert der Soundcheck, doch Steve, Piper und Chantelle zeigen sich als relaxte und angenehme Gesprächspartner.
Hip-Hop-News: Euer erster Tag auf der Tour. Freut Ihr euch darauf?
Steve: Überhaupt nicht. Wir sind echt sauer darüber… Nein, nur Spaß.
Hip-Hop-News: Ihr seid ja als Vorgruppe von Sarah Connor unterwegs. Wie kam der Kontakt zustande?
Steve: Die Macht des Zufalls.
Piper: Es gibt eine Menge Leute, die mit uns arbeiten und unseren Sound kennen. Da kam man einfach auf die Idee, dass unsere Musik gut mit der von Sarah Connor zusammenpassen könnte. Die Musik ist zwar vom Stil her unterschiedlich, doch es gibt einen gemeinsamen Nenner.
Hip-Hop-News: Seid Ihr heute erst in Deutschland angekommen?
Chantelle: Es ist unser zweiter Tag, aber wir haben nicht viel gesehen. Flughafen, Hotel und die Halle. Ich wollte ja versuchen mir ein bisschen was anzuschauen, aber niemand wollte mit mir gehen.
Piper: Wir sind keine großen Sight-Seeing Fans, nein.
Hip-Hop-News: Wart Ihr schon Mal in Frankfurt?
Chantelle: Für mich ist es das erste Mal, aber ich denke die Jungs waren schon Mal hier.
Steve: Ich glaube es ist bereits das vierte Mal, oder?
Piper: Ja, wir waren schon mehrfach hier. Die Tour mit Snoop Dogg und dann mit The Game.
Hip-Hop-News: 2006 wart Ihr ja bei Rock am Ring. Wie war es vor knapp 70.000 Leuten zu spielen?
Piper: Oh Mann, wir haben ja echt schon vor einem großen Publikum gespielt, aber Rock am Ring war wirklich was Besonderes. Das bleibt in Erinnerung.
Hip-Hop-News: Lasst uns ein wenig über Euer neues Album „State Of Survival“ sprechen…
Steve: „State of Survival“ yeah.
Hip-Hop-News: „When It Was Good“ ist ja die erste Singleauskopplung, die für mich ein bisschen mehr nach Pop klingt als Eure alten Stücke. Wie kam der Sound zustande und warum gerade „When It Was Good“ als erste Single?
Piper: Wenn Du Dir unser Album anhörst, wirst Du feststellen, dass wir für jeden etwas dabei haben. Es ist genau wie bei unserem ersten Album, mit dem wir schon angedeutet haben, dass wir nicht festgelegt sind und eigentlich alles spielen können. „Happy Birthday“ war ein reiner Rap Song, wo hingegen „Trumpets“ etwas ganz anderes war. Nachdem wir dann so lange in der ganzen Welt unterwegs waren, sind wir wieder ins Studio gegangen und haben all unsere Erfahrungen zusammengetragen. Unser Album spiegelt einfach wieder, was in der Welt momentan so abgeht.
Hip-Hop-News: Ich hatte bereits Gelegenheit mir ein Großteil der Songs auf dem neuen Album anzuhören….
Piper: Hast Du dir „Champion“ angehört?
Hip-Hop-News: Ja, auf jeden Fall. Mein persönlicher Favorit ist allerdings „Toss It Up“. Definitiv der Song auf dem Album, der am meisten nach Rap klingt. Sogar Chantelle hat bei ihrem ersten Teil eine kleine Rap Einlage. War es für Dich anders diesen Song zu machen als beispielsweise „When It Was Good“, wo Du ja vor allem singst?
Chantelle: Ja, war auf jeden Fall ein Unterschied. Es war auch einer der ersten Songs, den ich zusammen mit den Jungs aufgenommen habe.
Piper: Wir haben „Toss It Up“ in Timbaland‘s Tour-Bus aufgenommen, dass war schon verrückt. Akon war gerade mit Gwen Stefani auf Tour und hat uns angerufen: „Hey, was geht ab. Lasst uns endlich dieses Album fertig machen.“ Wir konnten die ganze Zeit nicht daran arbeiten. Entweder war er unterwegs oder wir, also sind wir dann mit auf Tour gegangen, haben uns abends die Show angesehen und dann im Bus am Album gearbeitet.
Hip-Hop-News: Ihr habt gerade schon Akon erwähnt. An wie vielen Songs hat er auf „State Of Survival“ gearbeitet?
Steve: Ich denke es waren drei oder vier. Wir hatten außerdem noch den Produzenten von Lady Gaga an Bord und noch einige andere aus L.A.
Hip-Hop-News: Wie viele Songs habt Ihr für „State Of Survival“ gemacht und wie viele haben es dann tatsächlich auf das Album geschafft?
Piper: Es waren so um die 50 Songs die wir gemacht haben und ich rede hier von komplett fertigen Songs, nicht mit eingerechnet irgendwelche Teile, die halbfertig irgendwo rumliegen. Von dem Zeug, das wir im Tour-Bus gemacht haben, war eine Menge guter Kram dabei, der es dann aufs Album geschafft hat.
Hip-Hop-News: Habt Ihr darüber nachgedacht die anderen Songs, die es nicht aufs Album geschafft haben, auf andere Art zu veröffentlichen? Vielleicht als Mixtape?
Steve: Ja, auf jeden Fall. Wir hatten beispielsweise ein Song dabei, bei dem es um den Irak-Krieg ging und die Zustände da unten. Der war wohl zu hart für unser Label. Wir denken darüber nach, dafür vielleicht noch ein Video zu machen und es dann auf YouTube oder so zu bringen.
Hip-Hop-News: In dem Song „Welcome to Hollywood“ steckt eine Menge Humor aber auch einiges an Kritik. Welche Intension steckte dahinter?
Steve: Es sollte einfach ein Schlag gegen die ganze Falschheit sein, die im Business so ab geht. Alles in Hollywood ist so falsch: Fassaden, Schönheitschirurgie, der ganze Kram eben. Wenn man L.A. in einem Wort beschreiben sollte, würden viele Leute „Falsch“ sagen. Es gibt aber auch eine ganze Menge ehrlicher Typen dort, gute Kunst, brillante Regisseure. Der Song spiegelt einfach nur die Kehrseite der Medaille wieder.
Hip-Hop-News: Die meisten Leute in Deutschland haben wohl das erste Mal von Flipsyde durch den Song „Happy Birthday“ gehört, der auch heute noch sehr populär ist. Wie pesönlich, wie ehrlich war der Song?
Piper: Der Song beruht auf einer wahren Begebenheit. Jeder Song den wir machen, hat immer etwas von uns in sich und wir versuchen das auch bei jedem einzelnen Stück so zu handhaben. „Happy Birthday“ war ursprünglich ein Mixtape Song, als das Label aber den Song gehört hat, hatten sie sich sofort verliebt und wollten ihn unbedingt auf dem Album haben.
Hip-Hop-News: Bei Songs, die beispielsweise so persönlich sind wie „Happy Birthday“, seid Ihr davon überrascht, wie viel Ihr tatsächlich von euch Preis gebt?
Piper: Bei mir persönlich, wenn ich einen Song schreibe, bin ich mir gar nicht immer darüber bewusst, was ich schreibe. Es ist so eine Art außerkörperliche Erfahrung. Ich denke nicht darüber nach, wenn ich schreibe oder den Song im Studio aufnehme. Wenn ich ihn mir dann aber später anhöre, kann ich definitiv spüren, dass da eine Menge Gefühl drin steckt.
Hip-Hop-News: Chantelle, wie genau bist Du eigentlich zu Flipsyde gekommen und was hast Du vorher gemacht?
Chantelle: Ich habe ein bisschen was Solo gemacht und hab mich bei ein paar Labels vorgestellt. Wir hatten dasselbe Management und sind uns ständig im Studio über den Weg gelaufen und irgendwann haben wir dann gemerkt, dass da mehr draus werden kann.
Piper: Als ich sie das erste Mal gehört habe, dachte ich nur: „Mann, dass klingt gut.“ Die Studios in Oakland sind aber auch riesig und man trifft ständig irgendwelche Leute. Tupac und alle anderen Größen haben dort schon aufgenommen. Es gibt da einen ganzen Haufen Studios, aber nur eine Bar, somit trifft man auch dort eine Menge Künstler. Es ist einfach eine gute Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.
Hip-Hop-News: Piper, wir haben vorhin schon kurz über Eure Tour mit The Game und Snoop Dogg gesprochen. Wie ist es für Dich, als einziger Rapper in der Band? Wirst Du von anderen Rappern deswegen gedisst?
Piper: Alle Künstler, die ich respektiere und deren Meinung mir etwas wert ist, die respektieren auch was wir tun und von den Straßen in Oakland, was soll ich sagen, dort kennt man sich eben. Der ganze Scheiß, den sich da irgendwelche Leute in der Öffentlichkeit um die Ohren hauen, das ist doch alles nur gespielt, Mann. Alles nur Teil des Spiels. Das ist wie Wrestling im Fernsehen, da darf man echt nichts drauf geben und lass mich noch was sagen: Ich bin so froh, dass ich mit dem ganzen Hip-Hop Ding nichts am Hut habe, das ist doch nur noch eine Seifenoper. Schreib es auf jeden Fall auf: Wrestling-Shows und diese Art von Hip-Hop haben doch dieselben Zuschauer, 13-jährige Jungs und Mädchen. All diese Möchtegern-Gangster-Rapper, darauf kann man echt nichts geben. Die rappen doch nicht wirklich für die Gangster auf der Straße, denn die hören nur auf ihre eigenen Jungs.
Hip-Hop-News: Trotz allem habt Ihr ja 2005 von der Washington Post den Preis für das beste Hip-Hop Album des Jahres verliehen bekommen….
Piper: Und wir hatten es verdient!
Hip-Hop-News: Würdet Ihr euch selbst als eine Hip-Hop Band bezeichnen?
Piper: Ich denke, man muss mit dem Begriff Hip-Hop einfach vorsichtig umgehen, weil es viele verschiedene Definitionen dafür gibt. Wenn Du dir beispielsweise die Definition von den Gurus, den Großen anhörst, wird diese wahrscheinlich mit meiner eigenen übereinstimmen. Ich sehe das so: Wir machen Musik, das ist alles worauf es ankommt. Ich weiß nur, wir haben den Preis 2005 verdient. Unser Album war kreativ, es hatte Melodie, Gitarren und meine Texte waren besser als alles andere. Ja verdammt, wir hatten es uns verdient.
Hip-Hop-News: Steve, hättest Du dir gewünscht, dass es mehr Gitarrenparts in dem Album gegeben hätte? Du bist ja in der Vergangenheit sehr oft mit Akustik-Gitarren an den Start gegangen.
Steve: Ich hab in diesem Album die Akustik-Gitarre ein wenig zur Seite gelegt. Wir haben mit einer Menge Produzenten zusammengearbeitet und das hat mich als Künstler weiter gebracht. Tatsächlich war es sogar ein wenig erleichternd, dass ich dieses Mal nicht für jeden Song mit einer Gitarrenmelodie aufwarten musste. Ich meine, ich schreibe noch immer Songs für die Gitarre, das ist dann aber mehr Singer Songwriter Kram.
Chantelle: Dave hat jetzt die ganzen Gitarrenparts. Er ist gerade oben [auf der Bühne] und macht den Soundcheck, deswegen kann er nicht hier sein.
Piper: Ja, er stellt sicher das alles OK ist. Wenn irgendwas falsch laufen würde: Oh Mann. Dave würde austicken. Er spielt irgendwie in 15 verschiedenen Bands und ist so ein richtiger Rampensau.
Hip-Hop-News: Was für Gitarren spielst Du, Steve?
Steve: Ich mag Gibson. Ich spiele auch mit anderen Gitarren, aber Gibson ist mein Favorit.
Hip-Hop-News: Habt Ihr inzwischen eine Gelegenheit gehabt, Sarah Connor zu treffen?
Chantelle: Nein, sie ist wohl auch gerade oben beim Soundcheck. Da werden wir sie dann das erste Mal treffen.
Hip-Hop-News: Was für Musik hört Ihr eigentlich privat?
Piper: Ich höre gerade Canon, ein Musiker aus Somalia, der jetzt in der Nähe von Toronto lebt. Einfach Klasse, viel Melodie und Kreativität. Einfach richtig gute Musik.
Steve: Größtenteils gerade MGMT.
Chantelle: Momentan gerade viel Indie Rock. Meine kleine Schwester spielt für mich immer den DJ und stellt mir alles Mögliche zusammen, von dem sie denkt, dass es gut ist.
Hip-Hop-News: Was kommt als nächstes von Flipsyde? Was kommt nach der Tour?
Steve: Ein Chantelle Sex Video auf YouTube.
Chantelle: Niemals!
Piper: Wir touren um die Welt und zeigen uns einfach.
Chantelle: Direkt nach der Deutschlandtour ist der Rest von Europa dran.
Hip-Hop-News: Alles klar, vielen Dank für Eure Zeit.
Steve: Kein Problem.
Piper: Danke für das Interview.
Chantelle: Vielen Dank.









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